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Planning Poker: gemeinsam schätzen, ohne dass einer vorlegt

Version 0.6.04 Min. Lesezeit

Wer in einer Runde laut schätzt, kennt das Problem: Die erste genannte Zahl zieht alle anderen in ihre Richtung. Planning Poker umgeht das, indem jeder verdeckt eine Karte legt und alle gleichzeitig aufdecken. Mit diesem Baustein war Version 0.6.0 vollständig. Er besteht aus zwei Teilen: der Einrichtung am Prozess, die festlegt, was eine Karte in Stunden bedeutet, und der Runde selbst.

Die Einrichtung: Karten in Punkten, Aufwand in Stunden

GODAV Pro rechnet Aufwand, Restaufwand und Kapazität in Stunden. Geschätzt wird beim Poker aber in Punkten, und „13“ heißt erst einmal nur „deutlich mehr als 8“. Was das in Stunden bedeutet, ist von Team zu Team verschieden. Deshalb trägt jeder Prozess eine kleine Tabelle, die jeder Karte eine Stundenzahl zuordnet.

Der Reiter „Planning Poker“ eines Prozesses mit den Kartenwerten und ihren Stunden Jede Karte bekommt am Prozess eine Stundenzahl. Vorbelegt ist Punkt gleich Stunde.

Gespeichert werden die sieben Zahlen immer als ganzer Satz und nicht Karte für Karte. Sie bilden eine Kurve, und wer die 8 anhebt, soll die 13 daneben sehen. Einzeln gespeichert gäbe es außerdem Zwischenstände, in denen die 8 mehr bedeutet als die 13. Fehlt im Satz eine Karte, wird er abgelehnt statt still aufgefüllt. Sonst stünde am Ende eine Stundenzahl da, die niemand eingegeben hat.

Unterer Teil des Reiters mit der Unendlich-Karte und der Mindestzahl der Mitschätzenden Unendlich-Karte und Mindestzahl der Mitschätzenden gehören ebenfalls zur Einrichtung des Prozesses.

Neben den Zahlenkarten und der optionalen Unendlich-Karte gibt es in jeder Runde das Fragezeichen, ohne dass man es einschalten muss. „Ich kann das nicht schätzen“ ist keine Aussage über die Größe einer Aufgabe, sondern über das eigene Wissen. Ohne diese Karte würde jemand eine Zahl legen, die er gar nicht meint. In der Auswertung zählt das Fragezeichen nirgends mit, bekommt aber einen eigenen Hinweis. Sonst sähe eine Runde, in der die Hälfte nicht schätzen konnte, aus wie eine mit klarem Ergebnis.

Eine Runde, die fair bleibt

Gestartet wird eine Runde im Kopf des Aufgaben- oder Iterationsboards. Sie sammelt die Vorgänge der aktuellen Ansicht, die noch keinen Aufwand haben, und friert diese Liste ein. Würde sie bei jedem Teilnehmer neu berechnet, hinge sie an dessen Rechten und Filtern, und eine Karte könnte mitten in der Runde verschwinden, sobald jemand nebenher einen Aufwand einträgt. Ein Vorgang kann außerdem nur in einer offenen Runde gleichzeitig stecken. Sonst entschiede der Zufall, welche von zwei Schätzungen am Ende gilt.

Das Aufgabenboard mit dem Knopf „Planning Poker starten“ oben rechts Gestartet wird direkt am Board: geschätzt wird, was die aktuelle Ansicht zeigt. Einige Karten sind verpixelt.

Die Karten kommen dabei immer aus dem Prozess des jeweiligen Vorgangs. Eine Runde kann Projekte mit verschiedenen Prozessen umfassen, und die Umrechnung in Stunden muss zu dem Vorgang passen, um den es gerade geht.

Je Vorgang läuft dann derselbe Ablauf: lesen, „Bereit“ melden, Karten legen, aufdecken. Wer die Runde leitet, muss dabei nicht auf alle warten. Er sieht, dass die letzten beiden gerade telefonieren, und geht weiter. Ich hätte „Schätzrunde beginnen“ auch erst freigeben können, wenn alle bereit sind. Dann bliebe die ganze Runde aber an einer Person hängen, die den Laptop zugeklappt hat. Sobald die Karten ausliegen, verschwinden Beschreibung und Kommentare und machen den Karten Platz, denn gelesen wird im Schritt davor.

Liegen die Zahlen weit auseinander, ist das kein Ergebnis, sondern der Anlass für ein Gespräch. Danach gibt es „Schätzung neu starten“, statt sich auf einen Mittelwert zu einigen, den niemand gemeint hat. Eine Stundenzahl schlägt das Fenster nur vor, wenn sich alle einig sind. Bei Uneinigkeit bleibt das Feld leer, denn eine vorgeschlagene Zahl wäre dort eine Entscheidung, die niemand getroffen hat.

Die Stimmen werden nicht aufbewahrt

Nach jedem Vorgang werden die gelegten Karten gelöscht. Was bleibt, ist das Ergebnis: der Aufwand am Vorgang samt Eintrag im Änderungsprotokoll. Wer bei Vorgang 3 eine 13 gelegt hat, beantwortet keine Frage, die später jemand stellen müsste. Aufbewahrt wären die Stimmen nur eine Sammlung über das Verhalten Einzelner, ohne jeden Zweck.

Außerdem

  • Jeder Teilnehmer fragt alle fünf Sekunden nach dem Stand der Runde. Eine Echtzeitverbindung wäre genauer, aber ein eigenes Vorhaben mit Anmeldung, Wiederverbindung und Betrieb hinter dem Webserver. Für eine Schätzrunde reichen fünf Sekunden.
  • Eine vergessene Runde verfällt nach zwei Stunden ohne Bewegung. Sonst würde sie ihre Vorgänge für immer gegen einen neuen Start sperren.
  • Das Abschlussbild bleibt stehen, bis jeder es geschlossen hat, höchstens aber zehn Minuten. Sonst sähen alle außer der Leitung nur ein Fenster zugehen.

Die Bauform aus Wartebereich, Teilnehmerliste und Fünfsekundentakt hat sich bewährt. Später haben das Iterationsendmeeting und das Daily Meeting sie übernommen.

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