Sonderaufgaben: die Arbeit neben der Planung
Mit der Stoppuhr ließ sich an Storys und Aufgaben bequem Zeit erfassen. Damit fiel aber auch auf, wie viel Arbeit es gibt, für die keine Story existiert: die wöchentliche Abstimmung, die Einarbeitung eines neuen Kollegen, die Bereitschaft am Wochenende. Das gehört zum Projekt, ist aber nichts, was man plant und zerlegt. Bisher landete so etwas entweder in einer erfundenen Story oder gar nicht im System. Die Sonderaufgabe ist die Antwort darauf.
Ein Vorgang außerhalb der Hierarchie
In GODAV gibt es die Kette Epic › Feature › Story › Aufgabe. Eine Sonderaufgabe steht nicht darin, sondern hängt direkt am Projekt und hat keine Kinder. Sie ist damit neben dem Epic die zweite Wurzel im Vorgangsbaum. Technisch ist sie trotzdem ein ganz gewöhnlicher Vorgang in derselben Tabelle wie alle anderen. Sie hat eine Kennung wie BC-200, eine Karte und ein Änderungsprotokoll, und alles, was an Vorgängen schon funktioniert, funktioniert auch hier.
Dafür gibt es einen eigenen Menüpunkt „Sonderaufgaben“ direkt unter den Aufgaben. Die Liste zeigt immer genau ein Projekt. Über alle Projekte hinweg wäre sie eine Sammlung ohne Zusammenhang, denn die Frage „Was läuft hier neben der Planung?“ stellt man je Projekt. Das Projekt steht deshalb nicht als Filter neben anderen, sondern als Bedingung ganz links, und es steht in der Adresse, damit man eine Liste verlinken kann.
Zur Wahl stehen nur die Projekte, in denen man selbst Mitglied ist.
Eine kleine Entscheidung mit großer Wirkung steckt in der Projektauswahl: Angeboten werden die Projekte, in denen man Mitglied ist, nicht alle, die man sehen darf. Für die meisten ist das dasselbe. Ein Administrator sieht aber jedes Projekt, und seine Auswahl wäre sonst das Verzeichnis des ganzen Hauses statt seiner eigenen Arbeit. Dieselbe Grenze gilt beim Buchen von Zeit: Wer nicht dazugehört, arbeitet dort auch nicht.
Angelegt wird in einem kleinen Fenster mit zwei Feldern, danach bleibt man in der Liste. Wer drei Sonderaufgaben hintereinander erfasst, will nicht dreimal von der Karte zurück.
Unterkategorie und Name genügen, alles Weitere steht auf der Karte.
Die Unterkategorie ist Programmlogik
Jede Sonderaufgabe trägt eine Unterkategorie. Die erste war „Zeiterfassung“, später kam „Wiederkehrende Aufgabe“ dazu. Die Unterkategorie steuert, was die Karte zeigt. Bei „Zeiterfassung“ gibt es keine Kommentare und keine Priorität, dafür den Reiter „Zeiten“ und die Stoppuhr.
Kommentare fehlen, weil es nichts zu klären gibt. Eine Story beschreibt, was zu tun ist, und ihr Verlauf klärt, was daran unklar war. Eine wöchentliche Abstimmung hat diese Unklarheit nicht. Und eine Priorität beantwortet „Was zuerst?“, eine Frage, die sich zwischen Storys stellt. Ein Feld, das jeder auf „Mittel“ stehen lässt, trennt nichts.
Weniger Reiter als bei einer Story: kein „Vorgänge“, keine Kommentare, keine Priorität.
Ich hätte die Unterkategorien auch einrichtbar machen können, so wie die Statuswerte je Prozess. Habe ich bewusst nicht. Ein selbst angelegter Wert hätte keinen Code hinter sich, die Karte könnte auf ihn nicht reagieren, und die Auswahl verspräche eine Wirkung, die nie eintritt. Deshalb ist es ein fester Katalog, und der Compiler meldet sich, wenn bei einer neuen Unterkategorie irgendwo die Entscheidung fehlt, was die Karte zeigen soll.
Ausgeblendet heißt übrigens nicht verboten. Die Unterkategorie lässt sich ändern, und eine Sperre auf dem Server würde jeden Wechsel zu einem Datenverlust machen: Bestehende Kommentare wären danach weder lesbar noch löschbar.
Kein einrichtbarer Status
Storys tragen die Statuswerte ihres Prozesses, etwa „Im Review bei QS“. Für eine wöchentliche Abstimmung gibt es dazu keine Entsprechung. Die Statuswerte einer Sonderaufgabe entstehen deshalb 1:1 zum festen Systemstatus, genau wie beim Projekt, und tauchen in der Prozesseinrichtung gar nicht erst auf. Später habe ich die Auswahl auf vier Werte verkürzt: Neu, In Bearbeitung, Erledigt, Verworfen. „Im Test“ und „Freigegeben“ beschreiben die Prüfung eines Arbeitsergebnisses, und eine Sonderaufgabe liefert keines.
Außerdem
- Sonderaufgaben haben ein eigenes Recht zum Anlegen, Ändern und Löschen. Sonst hieße „Aufgaben anlegen“ heimlich auch „Sonderaufgaben anlegen“.
- Auf der Seite „Zeiterfassung“ stehen oben links die offenen Sonderaufgaben, auf die man buchen kann, mit Stoppuhr und einem Fenster für Arbeit, die schon vorbei ist.
- Das eigene Symbol zeigt zwei Kacheln einer Reihe und eine dritte daneben. Ein Stern war der erste Entwurf, aber ein Stern heißt überall „Favorit“ und hätte behauptet, eine Sonderaufgabe sei besonders wichtig.
Die Sonderaufgabe war die fünfte Vorgangsart. Die sechste folgte einen Tag später, und sie geht genau in die andere Richtung: die Requests.